Big-Five-Modell: Ein Blick hinter die Maske

Big Five

Welche Maske ziehe ich mir heute über, um mich beliebt zu machen, mehr anerkannt zu werden oder mich anzupassen? Bevor wir das Haus verlassen, ziehen wir uns nicht nur frische Unterwäsche und saubere Kleidung an, wir legen uns auch eine Maske zu, die unser schützenswertes Selbst vor der Feindseligkeit anderer verbirgt. Menschen sind gut darin, sich gegenseitig zu verletzen. Doch es tut weniger weh, wenn es nur die äußere Schale trifft, nicht das wahre Wesen in uns. Dabei wäre die Welt so viel farbenfroher, würden wir alle unsere Fassetten frei zeigen dürfen, ohne zu riskieren, uns für unsere Entscheidungen, Gefühle und Lebenseinstellungen rechtfertigen zu müssen. Rechtfertigung kostet wertvolle Energie, die wir nicht immer im Überschuss zur Verfügung haben, deshalb müssen wir sparsam damit umgehen. Die Maskerade hilft uns dabei.

Heute, in dieser Etappe, lassen wir die Masken fallen. Zumindest vor uns selbst. Denn oftmals sind wir so angepasst an unsere Gesellschaft, dass wir teilweise vergessen haben, wer wir sind oder uns für das schämen, was uns ausmacht. Die eine steckt gerne mal mit dem Kopf in den Wolken, bekommt aber ständig auf die Füße getreten, damit sie sich wieder dem Boden der Tatsachen zuwendet. Der andere hadert mit sich, weil er sich im Rampenlicht so schrecklich unwohl fühlt, obwohl dort offensichtlich das Leben stattfindet. Sie denkt, sie sei zu gut, wird ständig ausgenutzt. Er ist sehr strebsam, obwohl er lieber das Leben genießen würde. Und dann gibt es noch die Sensibelchen, die am liebsten im Erdboden verschwinden würden, um allem Unheil aus dem Weg zu gehen.  

Aber wie erkenne ich mich selbst und andere? Wie würde ich mich in fünf Worten beschreiben? Gibt es die Möglichkeit mich zu verändern oder ist mein Charakter mein Schicksal?

5 Charaktermerkmale

Deine Persönlichkeit ist in deinen Erbanlagen vorbestimmt. Die einzelnen Merkmale deines Charakters werden zum Teil aber auch von der Prägung durch die Umwelt und eigenen Erfahrungen verstärkt oder abgeschwächt. In der Psychologie spricht man von den „Big Five“, wenn es um die fünf Faktoren der Charakterbeschreibung geht:

  • Offenheit
  • Gewissenhaftigkeit
  • Extraversion
  • Verträglichkeit
  • Neurotizismus

Diese Eigenschaften sind bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägt und charakterisieren, wer du bist, wie du denkst und funktionierst. Indem du dich und andere genau beobachtest oder befragst, kannst du die jeweilige Ausprägung der individuellen Merkmale bestimmen.

Zum Beispiel:

Beschäftigt sich jemand lieber mit praktischen, vertrauten Themen, führt ein sehr strukturiertes Leben, geht aufgeschlossen auf andere Menschen zu, spricht seine Meinung direkt und ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer aus und neigt wenig zu Sorgen und Ängsten, so wären seine beschreibenden fünf Worte etwas wie: bodenständig (Offenheit), organisiert (Gewissenhaftigkeit), extrovertiert (Extraversion), direkt (Verträglichkeit), selbstbewusst (Neurotizismus).

Im Folgenden findest du eine Übersicht der fünf Charaktermerkmale:

Offenheit

Der Intellektuelle:– ist offen für das Ungewöhnliche
– ist vielseitig interessiert
– beschäftigt sich gerne mit neuen Ideen
Der Konservative:– bleibt seinen Gewohnheiten treu
– schätzt das Bekannte
– bleibt auf dem Boden

Gewissenhaftigkeit

Der Planer:   – ist gut organisiert
– ist zielstrebig
– plant vorausschauend
Der Chaot: – lässt sich vom Leben treiben
– mag keine Termine
– findet sich auch im Chaos zurecht

Extraversion

Der Gesellige:– ist kommunikativ
– fühlt sich wohl unter Menschen
– unternimmt gerne viel
Der Stille:– verhält sich zurückhaltend
– ist vorsichtig beim Kennenlernen neuer Leute
– braucht viel Zeit für sich

Verträglichkeit

Der Diplomat:– ist umgänglich
– meidet Konflikte
– kann sich in andere hineinversetzen
Der Durchsetzungsstarke:– ist stur
– äußert sich sehr direkt
– setzt seine Interessen unabhängig von der Meinung anderer durch

Neurotizismus

Der Mitfühlende:– handelt eher vorsichtig
– erkennt Probleme und Gefahren im Voraus
– ist sehr verständnisvoll im Umgang mit anderen
Der Gelassene:– hat eine ausgeglichene Art
– ist selbstbewusst
– fürchtet sich nicht so schnell

Erkenne dich selbst und andere!

Schau die fünf Faktoren also genau durch und überlege, welche der Charakterisierungen in der Regel am ehesten auf dich oder deine Mitmenschen zutreffen. Dann notiere dir deine fünf Worte, wie ich es in dem Beispiel oben vorgemacht habe. Es kommt vor, dass man eine Mischung aus beiden Gegensätzen des jeweiligen Merkmals in sich vereint (vielleicht ein geplanter Chaot? 😉). Keine dieser verschiedenen Ausprägungen ist jedoch positiv oder negativ zu bewerten, denn jede davon hat sowohl Vor- als auch Nachteile.

In diesem Schritt geht es darum, dass du ein Verständnis für die Vielfalt der Charaktere entwickelst. Du kannst dir deine eigenen Gedanken dazu machen oder dich mit entsprechender Literatur intensiver mit dem Thema auseinandersetzen. Das Buch „Menschenkenntnis – Der große Typentest: So entschlüsseln Sie die Stärken und Schwächen“ von Lars Lorber hat mir zum Beispiel sehr gut gefallen. Hilfreich ist des Weiteren ein Big-Five-Persönlichkeitstest (z.B. Typentest.de – ebenfalls von Lars Lorber), um sowohl dein Verhalten als auch das der anderen besser zu verstehen. So erweiterst du deine Menschenkenntnis.

Das Verständnis für die Andersartigkeit der verschiedenen Menschen ist die Basis für deine weiteren Schritte auf dieser Stufe. Denn wenn du dich selbst nicht verstehst, wie kannst du dann verlangen, dass andere dich verstehen? Und wenn du die Menschen nicht in ihrer Individualität anerkennst, wie kannst du selbst dann individuell sein? Wahre Liebe erwächst aus der Zuneigung, die du dir selbst und anderen entgegenbringst. Schule also deine Fähigkeit, sowohl das eigene Anderssein anzuerkennen als auch das jener, die dich umgeben.

Ist der Charakter Schicksal oder nicht?

Zum Schluss möchte ich noch darauf eingehen, ob deine Starrköpfigkeit oder dein Ausweichen vor unangenehmen Situationen oder dein Hang zur Einsamkeit – ja, was auch immer du an dir nicht magst – dein Schicksal auf ewig ist.

Du wirst deinen Grundcharakter nicht groß ändern können. Also bist du gut beraten, wenn du dich so akzeptierst wie du nun einmal geboren bist. Dennoch kannst du dein Verhalten in gewisser Weise ändern. Du musst kein Messie bleiben, wenn es dich stört, dass überall alles herumliegt. Finde einen Weg, der dich zur Ordnung führt. Wenn du den Glückspfad von Anfang an gefolgt bist, hast du das Chaos bestimmt schon unter Kontrolle. Ansonsten kannst du das hier nachlesen.  

Bedenke aber, dass solche Veränderungen nur in einem bestimmten Rahmen deiner Persönlichkeit möglich sind. Und akzeptiere, dass es anderen ebenso geht. Aus einem lauten Papagei wird nie ein stiller Uhu. Genauso wird aus einem Mäuschen kein Partylöwe werden.

Bin ich falsch?

Ein kleiner Schwank aus meiner Jugend: Als ich ein kleines Mädchen war, dachte ich viel darüber nach, warum andere so aufgeweckt sind, so laut und ständig im Mittelpunkt stehen wollen. Irgendwie empfand ich mich immer als falsch, da ich diesen Hang nicht hatte. Im Teenager-Alter wurde es noch schlimmer. Ebenso wurde mein Berufsleben von diesem persönlichen Makel überschattet. Ich bin nicht diejenige, die die Aufmerksamkeit sucht wie Motten das Licht. Außerdem bin ich schon gar nicht diejenige mit den fantastisch ausgeschmückten Geschichten wie aus dem Boulevard-Magazin, die jedem aufgetischt werden, der bereit ist, zuzuhören.

Bis ich verstanden habe, dass ich introvtertiert bin, vergingen viele Jahre. Die meiste Zeit davon habe ich mir meine Unzulänglichkeit vorgehalten und gleichzeitig versucht mich zu bessern. Doch mir gelang es nicht, dem extrovertierten Idealbild, das ich im Kopf hatte, zu entsprechen. Deshalb fühlte ich mich wie in einem Korsett, das zu eng geschnürt war. Bis mir irgendwann bewusst wurde, dass diese zurückhaltende Art eben das ist, was mich ausmacht. Und dass es durchaus Menschen gibt, die das als etwas Positives empfinden. Diese Erkenntnis lockerte das Korsett. Ich bekam wieder Luft. Nun weiß ich, dass ich nicht vorgeben muss, irgendwer zu sein, nur um anderen zu beweisen, wie großartig ich bin. Wer mich nicht in meiner natürlichen Form annimmt, ist es auch nicht wert, dass ich mich für ihn verbiege.

Nimm dir also die Zeit, um dich und andere mithilfe des Big-Five-Modells zu erkennen sowie verstehen zu lernen. Dieser Prozess wird dein Herz öffnen und vergrößern, so dass Platz entsteht für den wahren Reichtum des Lebens: der Liebe.

Glücksliste

Wer bedingungslose Liebe empfindet, ist dem Glück sehr nah. Darum lerne deine Persönlichkeit und die der anderen Menschen anhand der „Big Five“ ohne Vorurteile kennen:

  • Beschreibe dich anhand der Charaktermerkmale (Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit, Neurotizismus) in fünf Worten.
  • Entwickle ein Gefühl dafür, wie unterschiedlich die Charaktere sind und akzeptiere dies ohne Wenn und Aber bei deinen Mitmenschen.

Danach bist du bereit dich auf den liebevollen Weg im Umgang mit dir selbst zu machen. Folge nun dem Glückspfad, indem du lernst, dich zu lieben, so wie du bist. Hier geht’s weiter.

Dies ist ein Beitrag meiner Glückspfad-Serie. Der Glückspfad ist eine Reihe aufeinander aufbauender Artikel, die dir als Leitfäden in ein zufriedenes Leben dienen sollen. Er beginnt bei deiner Gesundheit, führt zur Liebe und endet an dem Punkt, wo du die Freiheit erlangst. Von dort aus gehst du in deine persönliche Metamorphose über, um dich zu dem Menschen zu entfalten, der du wirklich bist.

Bild von John_Wayn auf Pixabay

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