Ohne Vater: Wie du die negativen Folgen minimierst

Ohne Vater

Viele Kinder wachsen ohne Vater auf, Tendenz steigend.

Fast ist die Abwesenheit des männlichen Parts in der Erziehung eine Normalität. Dabei gehört er zu einer intakten Familie dazu, um den Nachwuchs zu schützen, zu bestärken und seine Entwicklung zu fördern.

Ein Kind ohne Vater leidet. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Nicht nur, dass es mich in Angst und Schrecken versetzt hatte, wenn er unter Alkoholeinfluss Gewalt in die Familie brachte und sie damit auseinanderriss wie einen Vertrag, der seine Gültigkeit verloren hat. Nein, es fehlte all die Jahre meiner Kindheit der liebevolle Umgang zu einer männlichen Bezugsperson, die mich hätte für das Leben stärken sollen. Unsicherheit, Konzentrationsschwäche und Rückzug aus Scham sorgten schlussendlich dafür, dass ich den Anschluss verlor.

Die Rolle eines Vaters ist nicht zu unterschätzen!

Wofür braucht es Väter?

Ein Kinderherz kann brechen, wenn die Eltern sich entzweien. In den meisten Fällen wachsen die Kinder dann bei der Mutter auf. Eine große Leistung, die sie dann allein vollbringen muss. Wenn der Vater verantwortungsvoll ist, wird er sich nicht gänzlich aus seiner Verpflichtung zurückziehen und die Familie weiterhin unterstützen. Doch in vielen Fällen ist es bedauerlicherweise nicht so.  

Dabei erfüllt der Papa wichtige Funktionen für die Entwicklung seiner Sprösslinge. So hat man in verschiedenen Studien festgestellt, dass Kinder engagierter Väter über mehr Selbstbewusstsein und Intelligenz* verfügen als jene, die ohne aufwachsen müssen. Zudem finden Söhne in ihren Vätern eine Identifikationsfigur, während sie bei Töchtern das Männerbild prägen.

Mit Eintritt der Pubertät ist eine präsente Vaterfigur nochmal besonders wichtig. Denn jetzt werden die Weichen gestellt, um in die Welt hineinzuwachsen, seine berufliche Orientierung zu finden, aber auch, um eine starke Persönlichkeit zu entfalten.**

Doch was, wenn der Vater fehlt?

Welche Folgen hat die Vaterentbehrung?

Ohne Vater aufwachsen zu müssen, belastet Kinder sehr stark. Wie auf einem Stuhl, dem ein Bein fehlt, gerät ihr Selbstwert ins Kippeln, sie verlieren schneller den Halt. Das führt dazu, dass sie sich selbst nichts mehr zutrauen, sie sich zurückziehen und die schulischen Leistungen absacken. Wobei Jungen ihre wachsenden Aggressionen mehr nach außen abladen in Form von Gewaltausbrüchen. Mädchen hingegen richten sie eher nach innen gegen sich selbst, wodurch sich häufig psychosomatische Erkrankungen ausbilden.

Ein verlassenes Kind fühlt sich verletzt und wertlos. Dieser innere Kampf, um irgendwie damit zurechtzukommen und die eigenen traurigen Gefühle vor anderen zu verbergen, raubt enorm viel Energie, die der junge Mensch für eine gesunde Entwicklung bräuchte.

Zwar gibt es auch Kinder, die innerlich so stark sind, dass sie nicht unter der Vaterentbehrung leiden. Trotzdem ist es wichtig, es dem Nachwuchs im Falle einer Trennung so leicht wie möglich zu machen, damit sie keinen Schaden erleiden, der meist Jahrzehnte ins Erwachsenenalter reicht.

Umgang mit dem Vaterverlust

Was können Mütter tun?

Trotz Verletzungen, die manchmal mit einer Trennung einhergehen, solltest du als Mutter dich davor hüten, den Vater vor dem Nachwuchs schlecht dastehen zu lassen. Das Kind leidet sowieso genug unter der Aufspaltung seines Zuhauses. Dieser Zwiespalt darf nicht noch gefördert werden.

Wie wir oben gesehen haben, ist der männliche Anteil in der Erziehung wichtig für die gesunde Entwicklung. Darum sollte der Vater auch weiterhin seiner Sorgepflicht nachkommen dürfen, indem das Kind zum Beispiel an zwei Wochenenden im Monat bei ihm lebt.

Natürlich hängt das oft auch von den Umständen ab. Ich wollte nach all dem Schrecken, den mein Vater in der Familie verursacht hatte, keinen Kontakt, weil ich ihn fürchtete. Aber wenn Beziehungen – was nun mal vorkommt – auseinander gehen, weil die beiden Partner nicht mehr glücklich miteinander sind und keinen anderen Weg mehr sehen, als sich zu trennen, dann sollte dem Kind zuliebe eine vernünftige Lösung besprochen werden.

Abgesehen davon ist es wichtig, dass der Nachwuchs die Trennung verarbeitet, um keinen Schaden davon zu tragen. Sprich deshalb offen mit deinem Kind über die Situation. Wenn dir das schwerfällt, such dir Hilfe bei einem Verwandten, einem engen Freund oder einem Psychologen, der mit deinem Sohn oder deiner Tochter darüber redet. Allein wird es dein Kind nicht bewältigen können.

Was müssen Väter tun?

Was für die Muttis gilt, gilt selbstverständlich auch für die Vatis: Es nützt dem Sprössling nichts, die Mutter schlecht zu reden. Das gefährdet nur die ohnehin fragile Bindung.

Wenn du Vater bist, zeige dich der Mutter entgegenkommend, um weiterhin den Kontakt zu deinem Nachwuchs pflegen zu können. Und halte dich verantwortungsvoll an die vereinbarten Regeln. Manchmal neigen Väter nach einer Trennung dazu sich zurückzuziehen, weil plötzlich andere Interessen in den Vordergrund rücken. Aber Kinder lösen sich nicht mit Ende einer Beziehung in Luft auf. Deren Herzen schlagen weiter und sehnen sich nach Zuneigung – ja, auch von dir!

Hilf deinem Kind, die Umstände zu verstehen, aber wohlgemerkt, ohne dabei jemanden abzuwerten. Schenke ihm aber auch Gehör, wenn es über seine Gefühle spricht und gehe darauf ein. Nur wenn der Nachwuchs die Trennung verarbeiten kann, wird es seine weitere Entwicklung nicht stören. Und dann genießt die wenige Zeit zusammen und macht etwas Schönes daraus.

Was hilft dem Kind (selbst im Nachhinein)?

Bist du das Kind, das zwischen den Stühlen sitzt, dann such dir unbedingt jemanden (in der Familie oder dem Freundeskreis) mit dem du über deine Gefühle reden kannst! Es ist wichtig, dass du die Situation verarbeitest.

Ich selbst hatte mich leider niemanden anvertrauen können. Mir wurde suggeriert, dass es peinlich wäre, darüber zu sprechen. Also zog ich mich nach innen zurück und litt im Stillen. Das sorgte für noch größere Probleme, anderen zu vertrauen. Noch heute habe ich meine Problemchen damit. Doch ich lerne damit umzugehen.

Nimm die Vergangenheit an, wie sie ist, und beende die Vorwürfe, die du laut oder nur im Innern deinen Eltern entgegenschleuderst. Vielleicht hat dich die Trennung meilenweit zurückgeworfen und du kannst die Strecke nie mehr aufholen, aber deinen Eltern das ewig nachzutragen, bringt dich auch nicht auf Kurs. Suche dir stattdessen einen neuen Pfad, der dir persönlich gehört und den du mit Freude gehst. Aber lass vorher die alte Last zurück. Das geht nur, wenn du deinen Eltern vergeben und die verlorenen Jahre vergessen kannst. Heute beginnt deine Zukunft, für die du lebst! Also lass das Gestern ziehen…

Jetzt kannst du behaupten, du wirst nie eine gute Beziehung führen können, weil Scheidungskinder nun mal gebrandmarkt sind. Das stimmt aber so nicht! Ich habe dadurch viel für meine eigene Beziehung gelernt – und zwar, was ich nicht will. Schon in meiner Kindheit habe ich mir glückliche Ehepaare in meinem Umfeld als Vorbild herausgesucht und analysiert. Und heute genieße ich mit meinem Partner seit knapp neun Jahren genau das, was ich an meinen Eltern vermisst habe: tiefe Zuneigung, gegenseitigen Respekt, lange intensive Gespräche und die Lust an gemeinsam verbrachter Zeit.

Such dir also auf deinem neuen Pfad Vorbilder und klammere dich nicht an den Glaubenssatz, Scheidungskinder brächten keine dauerhaften, glücklichen Beziehungen zustande.

Zur Not geht’s auch ohne Vater

Zusammenfassend können wir sagen, dass Eltern eine hohe Verantwortung gegenüber ihren Schützlingen tragen, wenn es darum geht, die negativen Folgen so gering wie möglich zu halten:

  • Wichtig ist, dem Kind die Möglichkeit zu geben, über seine Gefühle zu sprechen und diese schwierige Situation zu verarbeiten.
  • Mütter sollten den Vätern das Umgangsrecht gewähren, vorausgesetzt es lagen keine Gewalt oder andere traumatische Begebenheiten vor.
  • Väter müssen den Kontakt zum Nachwuchs pflegen und sich unbedingt an Absprachen halten, um Frustrationen zu vermeiden.
  • Auf keinen Fall darf ein Elternteil das Kind gegen den anderen aufhetzen oder vor ihm schlechtreden.

Da es keine leicht zu bewältigende Situation ist, gebe ich dir noch einen Link für einen Kurs, der getrenntlebenden Eltern Hilfe bietet: https://www.kinder-im-blick.de/

Während sich Erwachsene meist mit irgendjemanden austauschen können, bleibt die Last oftmals unbemerkt am Nachwuchs hängen. Der trägt das bis ins Erwachsenenalter unverarbeitet mit sich herum und gerät leicht aus der Bahn. Fassen wir auch hier nochmal zusammen, was du tun kannst, wenn du als Tochter oder Sohn unter der Vaterentbehrung bis heute leidest:

  • Sprich unbedingt mit jemanden darüber! Wenn dir das schwerfällt, kannst du es dir auch erstmal von der Seele schreiben und dann mit jemanden darüber reden.
  • Vergib deinen Eltern, falls sie dich mit der Situation allein gelassen haben. Vermutlich wussten sie es zu dem Zeitpunkt nicht besser. Das ist keine Entschuldigung, aber die Vergebung hilft dir selbst am meisten.
  • Vergiss die Vergangenheit und schau nach vorne, denn heute beginnt deine Zukunft.
  • Suche dir vorbildhafte Beziehungen und finde heraus, wie sie es schaffen glücklich zu sein. Dann nimm dir ein Beispiel daran. Immerhin hast du bereits bei deinen Eltern gesehen, was du für deine Beziehung nicht willst.

Du wirst deinen Weg gehen, auch ohne Vater!

In den Kommentaren kannst du gerne deine eigenen Erfahrungen zu dem Thema teilen. Wie sieht oder sah die Situation bei dir aus? Und wie gehst du (heute) damit um? Vielleicht hilfst du damit auch anderen, die sich in ähnlichen Umständen befinden.

* GEOkompakt NR. 61: Die Kraft der Familie. Gruner + Jahr GmbH. Hamburg 2019. (S. 78)
** GEOkompakt NR. 61: Die Kraft der Familie. Gruner + Jahr GmbH. Hamburg 2019. (S. 113)

Bild von 4144132 auf Pixabay | bearbeitet durch Autorin

10 thoughts on “Ohne Vater: Wie du die negativen Folgen minimierst

  1. Louisa says:

    Sehr gut geschrieben, vielen Dank!
    Ich bin auch ohne Vater aufgewachsen. Heute habe ich sporadisch Kontakt zu ihm und zu meiner Mutter nicht mehr. In meiner Situation war es aber so, dass meine Mutter unabgesprochen schwanger wurde, mir hat sie natürlich immer erzählt, dass ich der beste Unfall ihres Lebens war. Aber als ich etwa 16 war, habe ich durch ihre Freunde und meine Oma mitbekommen, dass sie einen starken Kinderwunsch hatte und ich von ihrer Seite aus kein Unfall war. Das und die Tatsache, dass sie immer schlecht über meinen Vater gesprochen hat, hat mein Vertrauen zu ihr komplett zerstört.
    Wie kann man seinem eigenen Kind nur soetwas antun?
    Mein Vater hatte immer für mich bezahlt, gesehen hat er mich nie. Erst jetzt, wo ich Kontakt zu ihm habe, weiß ich, warum das so ist: Er hat alte Briefe und SMS aufgehoben, in denen er von meiner Mutter abwechselnd beleidigt und dann wieder angefleht wurde, ihr zu verzeihen und zu ihr zurück zu kommen. Sie hat ihn angezeigt, weil er sich nicht kümmern wollte, zur Verhandlung kam es aber nicht. Mein Vater hatte mir einen Brief hinterlassen, in dem er mir alles erklärt hat, den ich nie zu Gesicht bekommen habe.
    Es ist so schlimm, wenn man weiß, dass man von der Mutter als Druckmittel, für den Vater völlig unerwünscht auf die Welt gekommen ist.
    Deine Worte helfen mir sehr, mich jetzt auf meinen Weg zu konzentrieren. Ich kann tatsächlich aus meiner Geschichte etwas mitnehmen für mein eigenes Leben. Sollte ich jemals Kinder haben, dann nur mit einem Mann, der mit mir Kinder will. So unromantisch das klingen mag, ich würde mit jedem potentiellen Vater meines Kindes absprechen, dass wir auch im Falle einer Trennung immer gemeinsam Eltern bleiben werden. Voreilig werde ich sicherlich kein Kind bekommen. Und bei der Verhütung bin ich ein Luchs 😀 !
    Danke nochmals für deinen mutmachenden Beitrag !!!

    • Annabel says:

      Hallo Louisa,

      danke für das Kompliment und dass du deine Erfahrungen mit uns teilst!

      Der Gedanke, man sei aus einem anderen Grund als der Liebe wegen auf der Welt, kann sich wirklich seltsam anfühlen. Auch ich war definitiv nur einseitig gewollt. Und von dieser Seite her wahrscheinlich nur aus gesellschaftlicher Konformität. So jedenfalls wurde es mir gelegentlich vermittelt.

      Die Vorstellung, als Mittel zum Zweck „missbraucht“ worden zu sein, kann einen viele Jahre lang beschäftigen und sehr unglücklich machen. Aber letztendlich spielt es für unsere eigene Existenz keine Rolle, aus welchem Grund wir auf die Welt kamen. Wenn wir nun einmal da sind, können wir dieses Leben auch zu einer ganz wunderbaren Erfahrung werden lassen. Dafür brauchen wir nur nach vorne zu schauen.

      Das, was vor unserer Zeit geschah, muss uns nicht weiter interessieren. Das müssen unsere Eltern oder Erzeuger mit sich ausmachen. Wir können nur aus der Vergangenheit lernen und es für unser Verständnis besser machen. Ich lese heraus, dass du das bereits für dich umsetzt. Was mich sehr freut.

      Noch mal herzlichen Dank, dass du dich hier zu Wort gemeldet hast!

      Alles Liebe für dich,

      Annabel

  2. Uta says:

    Guten Tag,
    ich finde es immer wieder schlimm, dass an jeder Ecke im Netz zu lesen ist wie furchtbar es ist wenn Kinder ohne VATER aufwachsen.

    Ihr Vater hat sie/uns verlassen weil es ihm zu stressig wurde.
    Als sie 7 Monate alt war fuhr er kurzerhand für 2 Wochen alleine nach Thailand, meldete sich hinterher an div. Vereinen an und verwirklichte sich selber wohl um sich von seinen Pflichten abzulenken.

    Er besucht seine Tochter mal alle 3 Wochen stundenweise dann hat er wieder genug.
    An ihrem Leben nimmt er ansonsten nicht teil, kaum Interesse.

    Wenn man dann überall liest wie wichtig doch ein Vater ist, dann muss man doch verzweifeln als Mutter, dass man dem
    Kind keine vollwertige Familie bieten kann.
    Das ist purer Stress für Mutter und Kind.

    Ich könnte heulen weil ich meinem Kind keinen guten Vater bieten kann. In unserer Beziehung war alle prima bis unser, auch sein Wunschkind, kam.

    Bei der Trennung war unser Kind 1 Jahr alt, 2 Jahre später hat er mit seiner Neuen noch ein Kind gezeugt jetzt 3 Monate alt, das Spiel scheint sich zu wiederholen. Es zeichnet sich jetzt schon ab. Der Vater ist Ingenieur also keiner der unteren Klasse wohlgemerkt.

    • Annabel says:

      Liebe Uta,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar aus der Perspektive einer Mutter. Es tut mir so leid, dass dich Beiträge wie diese verletzen oder aufwühlen. Das ist, was mich betrifft, auf keinen Fall meine Absicht. Im Gegenteil, ich wollte mit dem Beitrag Mütter und Kinder in dieser Situation stärken und die Väter zu mehr Verantwortung aufrufen. Weil ich mit Blick auf meine Mutter und mich selbst erfahren habe, wie allein man sich damit fühlen kann.

      Bitte mach dir keine Vorwürfe, weil deine Tochter keinen Vater hat. Es ist nicht deine Schuld! Manchmal ist ein Kind ohne Vater besser dran, als wenn da einer ist, der sich desinteressiert, verantwortungslos und egoistisch verhält.

      Du trägst nicht die Verantwortung über sein Verhalten. Was deine Tochter spürt, ist die Liebe und Aufmerksamkeit, die du ihr als Mutter entgegenbringst. Du bist für sie da. Darauf kommt es an.

      Ich wünsche dir und deiner Tochter von Herzen alles Glück dieser Welt

      Annabel

  3. DerLöwe says:

    „Zur Not geht’s auch ohne Vater“, das ist vielleicht m.E. Wahr für Mädchen, aber als Junge geht es nicht ohne Vater, bzw. ohne männliche Bezugsperson, spätestens in der Pubertät wird das zu einem Problem, denn eine männliche Bezugsperson ist für den jungen absolut notwendig um seinen Charakter zu formen. Wenn das fehlt, kann man das nie mehr nachholen, da sind sich die Psychologen relativ einig und leider ist es auch meine persönliche Erfahrung.

    • Annabel says:

      Hallo DerLöwe,

      es tut mir leid, dass du diese Erfahrung gemacht hast. Dennoch finde ich es schwierig, diese Erfahrung zu pauschalisieren. Gerade wenn man durch Psychologen bestätigt wird, verfestigt sich das zu einer starken Überzeugung, die das restliche Leben überschatten kann.

      Klar, nachholen kann man nichts. Der Vater war nicht da, das schmerzt und hat womöglich deine Entwicklung gestört (wie bei mir eben auch). Aber das heißt nicht, dass solche Erfahrungen unser restliches Leben ruinieren müssen.

      Schau, was du von da, wo du jetzt stehst, tun kannst, damit es dir besser geht. Das ist insofern wichtig, um dich von dem Vergangenen zu distanzieren. Denn wenn man sich in einer schlechten Stimmung befindet, neigt man eher dazu, in der Vergangenheit einen Schuldigen zu suchen.

      Erinnere dich aber mal an die glücklichen Tage deines Lebens (z. B. in einer Verliebtheitsphase). Interessiert dich die Vergangenheit in solch schönen Momenten?

      Ich wünsche dir alles Gute!

      Annabel

  4. Nicole says:

    Hallo und guten Abend,
    verrückt vielleicht aber ich bin nun 54 Jahre und eine recht gut geratene Frau geworden.. auch ohne Vater.
    Wenn da nicht dieses Defizit wäre. Ja ich habe es all die Jahre nicht bemerkt. Bin stark und erfolgreich, hatte Beziehungen die aber irgendwie nicht über ein paar Jahre hinaus gingen. Man sagt ich bin charismatisch und ich wäre absolut top wie ich bin. Tja… bis auf den Umstand, dass ich nie gelernt habe wie man eigentlich ist, wenn man weiblich ist?!
    Ich wirke wohl eher sachlich.. und so langsam will ich das nicht mehr.
    Was man bei all dem nicht vergessen sollte. Ein Mädchen lernt bei ihrem Vater wie man mit dem anderen Geschlecht umgeht. Ich sehe Mädchen mit ihren Kulleraugen ihre Väter um den Finger wickeln. Nicht, dass man das in der heutigen Zeit noch will. !? Und ja und doch.. ich finde es wichtig sich nicht nur auf seine Qualitäten zurückzuziehen, sondern auch flirten zu können.
    Viele Missverständnisse entstehen einfach durch dieses Defizit.
    Puh .. ich bin über den Beitrag gestolpert als ich das Netz nach Beiträgen durchsucht habe die mir helfen das zu ändern. Eine Therapie finde ich doch zu krass. Falls jemand einen Tipp hat.. eine Buchempfehlung oder ähnliches würde ich mich freuen.
    ❤️liche Grüße
    Nicole

    • Annabel says:

      Liebe Nicole,

      danke für die Offenheit bezüglich deiner Erfahrungen zu dem Thema.

      Also du beschreibst dich als stark, erfolgreich und charismatisch. Das sind doch super Eigenschaften, mit denen du sehr zufrieden sein kannst. Leider beginnt unsere Unzufriedenheit häufig damit, dass wir anders sein wollen. Sei es, weil wir uns mit anderen vergleichen oder weil uns von außen eingeredet wird, wir müssten anders sein.

      Was aber, wenn dich genau diese Sachlichkeit ausmacht und es die Männer sind, die mit deiner Stärke nicht klarkommen?

      Leidest du allerdings darunter und möchtest deshalb dieses „Defizit“, wie du es nennst, ausgleichen, dann wären sicherlich Bücher zu Themen wie „Weiblichkeit leben“ oder „Flirten für Frauen“ hilfreich für dich. Leider habe ich da keinen konkreten Buchtipp 🙈

      Falls Yoga für dich interessant sein könnte, lege ich dir Yin-Yoga ans Herz. Dieser ruhige Yoga-Stil steht dafür, die Weiblichkeit zu stärken.

      Und was die Länge deiner Beziehungen betrifft, möchte ich dir einen Beitrag von mir empfehlen: https://cheerupyourlife.de/liebe/beziehungsunfaehig-boeser-blick/ … Denn manchmal achten wir nach einer Weile mehr auf die negativen Seiten des Partners und nehmen die guten kaum noch wahr. Das wirkt sich natürlich auch negativ auf die Dauer einer Beziehung aus.

      Ich hoffe, dass dir das schon ein bisschen weiterhilft.

      Alles Liebe für dich!

      Annabel

      Und wer noch ein paar Tipps für Nicole hat, kann gerne unter ihrem Kommentar antworten. ☺

  5. Christina says:

    Hallo, mein Vater starb an Leukämie als ich 5 Jahre alt war. Damals habe ich sehr schnell eine große Selbstständigkeit entwickelt. Meine Ehe und meine letzte Beziehung scheiterten daran, dass ich immer wieder das Gefühl hatte zuwenig Respekt, Aufmerksamkeit oder Zuwendung zu bekommen. Ich fühlte mich nicht ernstgnommen und reagierte dann irgendwann mit, ich nen es mal „Flucht“. Man kennt mich als selbstbewusste, starke aber auch emotionale Frau. Ich selbst bemerke jedoch ein ständig sich wiederholendes Muster in meinen Beziehungen, welches ich endlich durchbrechen möchte. Aber wie ich das schaffen kann, habe ich bis heute nicht herausgefunden. Hab ich vll. immer den falschen Partner? Ich wünsche mir sehr, irgendwann eine funktionierende und glückliche Beziehung zu führen..

    • Annabel says:

      Hallo Christina,

      es ist traurig, dass du deinen Vater so früh an dieser Krankheit verloren hast. Und es ist sehr verständlich, dass du dir eine glückliche Beziehung wünschst. Wer wünscht sich die nicht?

      So ein sich wiederholendes Muster in Beziehungen findet meist unbewusst statt, weshalb es nicht ganz einfach ist, herauszufinden, wie es durchbrochen werden kann.

      Die Gefühle, die du beschreibst, habe ich selbst ähnlich erlebt. Mir hat es geholfen, mir eine Auszeit von Beziehungen zu nehmen. Dabei habe ich gelernt, die emotionale Unabhängigkeit zu genießen. Wenn es dich interessiert, kannst du meine Erfahrung dazu in diesem Blogartikel lesen.

      Ich wünsche dir ganz viel Glück, dass du den für dich richtigen Partner irgenwann findest! 💕

      Liebe Grüße

      Annabel

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