„Der Haben-Wollen-Reflex“ von Luke Burgis | Rezension

Der Haben-Wollen-Reflex

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Wieso eigentlich wollen wir, was wir wollen? Und wollen wir die Dinge, die wir uns wünschen, wirklich oder nur deshalb, weil andere sie haben? Diese und andere Fragen rund ums „Haben wollen“ klärt der Autor Luke Burgis in seinem aktuellen Buch „Der-Haben-Wollen-Reflex – Wie sehr die Macht der Nachahmung unser Leben bestimmt und wie wir uns davon lösen“.

Was haben schnelle Autos, Karriere und Toilettenpapier gemeinsam?

Sie alle können mimetisches (nachahmendes) Begehren in uns auslösen. Das heißt, wir wollen es, weil andere es haben. Und so ist es mit sehr vielen Dingen, die wir begehren.

Als ich Teenager war, waren Jo-Jos gerade voll im Trend. Sie leuchteten und man konnte allerlei Kunststückchen damit veranstalten. Jeder wollte eins haben, obwohl wir das Alter, in dem man mit Jo-Jos spielte, längst überschritten hatten. Doch ohne Jo-Jo warst du einfach nicht „cool“. So löste das Jo-Jo ein nachahmendes Begehren in uns Jugendlichen aus.

Auch Erwachsene ahmen gerne ihre Kollegen, Nachbarn sowie Vorbildern aus Show, Fernsehen und Instagram nach. Da passiert es leicht, dass du plötzlich ein Auto fährst, das dein Budget weit überschritten hat, du mit einem Beruf verheiratet bist, für den du keine Leidenschaft (mehr) empfindest oder so viel Toilettenpapier eingekauft hast, dass du locker deine Wände damit tapezieren könntest.

Der „Haben-Wollen-Reflex“ wirkt tagtäglich in uns allen. Welche Auswirkungen er auf unser Leben hat und wie wir ihm entkommen, beschreibt Luke Burgis in seinem gleichnamigen Buch.


Infos zum Autor

Luke Burgis studierte Wirtschaftswissenschaften an der Stern School of Business der New York University sowie Philosophie und Theologie an einer päpstlichen Hochschule in Rom. Während und nach seinem Studium hat er vier verschiedene Firmen gegründet und auch erfolgreich geleitet. Derzeit ist er als Direktor und Dozent am Ciocca Center for Principled Entrepreneurship tätig und hält regelmäßig Vorträge. Luke Burgis lebt mit seiner Frau in Washington, D.C.


Willst du, was du willst oder wollen es andere?

Eine Frage vorab: Worüber freust du dich mehr – über einen Klumpen Brot oder ein neues Smartphone?

Wenn du kurz vorm Verhungern bist, wirst du dich nicht zuerst auf das Smartphone stürzen. Das Brot wäre das Objekt deiner Begierde. Es interessiert dich nicht, dass das mobile Telefon viel mehr Geld wert ist, solange deine biologischen Grundbedürfnisse nicht gedeckt sind. Dein Überlebensinstinkt verrät dir, was du brauchst. Kein anderer muss es dir zuvor schmackhaft machen.

Zu wissen, was du willst, ist Luke Burgis zufolge ungemein schwerer. Denn hier schaltet sich nicht der Instinkt, sondern die Macht der Nachahmung ein. Wir wollen, was andere wollen. Ob es uns nützt, das hinterfragen wir nicht.

Inhaltlich teilt der Autor das Buch in zwei große Teile zu jeweils vier Kapitel ein.

Im ersten Teil geht es um das Grundverständnis des mimetischen Begehrens, um zu erkennen, was den negativen Kreislauf des Haben-Wollens in Gang setzt. Diesen Abschnitt habe ich mit großem Interesse gelesen, weil es das Verständnis dafür steigert, wie sich Wünsche in uns manifestieren, die uns innerlich ärmer machen, als dass sie uns bereichern.

Der zweite Teil beschreibt einen Prozess, um mit den eigenen Begierden bewusster umzugehen. Hier unterscheidet Burgis zum Beispiel die schwachen mimetischen Wünsche von stabilen antimimetischen Wünschen. Ich hätte erwartet, dass dieser Teil praktischer gestaltet ist. Doch er ist wie der erste Teil überwiegend theoretisch gehalten, dennoch nicht weniger lesenswert.

Im Ausgleich dazu begleiten dich 15 Taktiken durch das gesamte Buch, die praktische Anregungen bieten.

Luke Burgis versteht sich im Erzählen unterhaltsamer Geschichten aus seinem eigenen Erfahrungsschatz sowie aus den Leben verschiedener Persönlichkeiten. Diese ziehen sich durch den ganzen Text, lockern ihn auf und veranschaulichen die Thesen.

Fazit

Ich finde, der Autor legt schlüssig dar, warum wir wollen, was wir wollen. In jedem Kapitel steckt mindestens eine überzeugende These, die die Kernbotschaft des Buches untermauert. Zum Schluss bietet er eine Lösung, die jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten nutzen kann, um aus dem negativen Kreislauf mimetischen Begehrens auszubrechen. Diese wird zwar nicht auf dem Präsentierteller serviert à la „1. Mach dies – 2. Mach das – 3. Mach jenes“, aber mit etwas Konzentration filterst du die passenden Ansätze für dich heraus.

Weil ich viele der Botschaften des Buches teile (z. B.: Pass auf, wem du vertraust!, Definiere deine Werte, Ziele können in die Irre führen), möchte ich es auch dir ans Herz legen. Es hilft dabei, sich den Haben-Wollen-Reflex bewusst zu machen, dem wir alle unterliegen. Schließlich werden unsere Wünsche nicht nur durch geschickte Werbestrategien gelenkt. Auch Social Media, Influencer, Nachbarn und Kollegen haben einen enormen Einfluss darauf, was wir heute und morgen begehren. Da ist es von großem Vorteil, sich dieser Mechanismen klar zu sein, um nicht von Neid und Eifersucht durchs Leben getrieben zu werden. Denn solche Gefühle münden häufig in Intrigen, Gewalt und schlimmstenfalls im Krieg.


Infos zum Buch

Luke Burgis

Der Haben-Wollen-Reflex*

Wie sehr die Macht der Nachahmung unser Leben bestimmt und wie wir uns davon lösen

ISBN 978-3-86731-255-4

368 Seiten, Paperback (15 x 21,5 cm)

22,95 € (D)

VAK Verlags GmbH, Kirchzarten


* Zur Transparenz: Das Buch hat mir der Verlag für eine Rezension zugeschickt. Der Beitrag gibt meine persönliche Meinung wieder und wurde weder vom Verlag noch vom Autor des Buches beeinflusst.

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