Ich und mein Monster im Schrank: Wie ich in zwei Wochen ausgemistet habe

Zwei Wochen ausmisten, wie?

Es ist so weit: Ich habe meinen Krempel gepackt und entsorgt. Okay, manches wartet noch darauf, weggebracht zu werden. Anderes habe ich verschenkt. Aber der Anfang ist gemacht. Zwei Wochen lang habe ich mich meinem Horror gestellt, endlich die vollgestopften Schränke auszumisten. Wie mir Das Minimalismus-Projekt von Christof Herrmann dabei geholfen hat und was ich im Schrank entdeckt habe, erfährst du in diesem Beitrag.

Minimalismus ist das Stichwort für innere Freiheit. Und im Grunde lebe ich bereits ein genügsames Leben. Ich kaufe nur das, was ich wirklich brauche, besitze kein eigenes Auto, besorge im Bioladen die Lebensmittel und wohne mit meinem Lieblingsmensch auf 50 Quadratmetern. Ein Ausflug in den Wald und ich bin glücklich.

Dennoch gibt es da etwas, das mich maßlos stört: die vollgestopften Schränke. Zwar habe ich mich in der Vergangenheit über den einen oder anderen Schrank hergemacht. Trotzdem gibt es noch immer böse Kandidaten, die ich lieber nicht öffnen möchte. Es ist, als würde sich hinter den Schranktüren ein Monster verbergen, das mir die Energie aussaugt, sobald ich es wage, die Türen zu öffnen. Aber oftmals reicht schon ein Blick auf die verschlossene Schrankfront und ich fühle mich schlapp.

Deshalb habe ich mich zwei Wochen lang meinem Grauen gestellt. Bewaffnet mit dem Minimalismus-Projekt, um für mich einen Anfang zu finden. Damit du mich aber nicht falsch verstehst: Das Buch ist kein Ratgeber fürs Ausmisten. Es beinhaltet weit mehr. Denn die minimalistische Lebensweise ist trotz aller Einfachheit vielseitig. Und so ist das Loswerden von überflüssigem Kram nur ein Aspekt, der mich gerade beschäftigt.

Die quälende Frage vor einer Entrümpelungsaktion ist doch jedes Mal: Wo soll ich nur mit dem Ausmisten beginnen?

Zwei Wochen und sechs Methoden zum Ausmisten

Woche 1

Zum Einstieg meiner zwei Entrümpelungswochen beginne ich mit einer einfachen Methode, auf die ich im zweiten Kapitel des Minimalismus-Ratgebers gestoßen bin. Dort werden mir zwölf Bereiche vorgeschlagen, die ich in jeweils einer viertel Stunde ausmisten kann. Das wird also mein Projekt für die erste Woche sein: Täglich zwei Bereiche entrümpeln (im Folgenden nenne ich der Einfachheit halber nicht immer beide Bereiche).

Der erste Tag fällt mir leicht, denn da wären zum Beispiel die Schuhe auszusortieren. Meine Sammlung besteht bereits nur aus Schuhen, die ich trage. Meine Wanderschuhe, wärmende Winterschuhe, zwei Paar Sneakers, Ballerinas, offene Sandalen für heiße Sommertage, Flip-Flops für Strandtage und schicke Schuhe für den besonderen Anlass. Mehr bekomme ich auch gar nicht in unserem kleinen Schuhschrank unter. Und das ist gut so! Ich hatte Zeiten, da habe ich sogar Schuhkartons unterm Bett gelagert, doch die sind zum Glück vorbei.

Am zweiten Tag hilft mir mein Freund. Er nimmt sich ein Fach im Schlafzimmer vor und ich entsorge alles, was nicht auf den Schreibtisch gehört. Etwas italienische Gute-Laune-Musik und die Arbeit geht fast von allein. Danach steht noch das Badezimmer auf dem Plan. Aus der vorgesehenen halben Stunde für heute werden ruckzuck zweieinhalb. Wenn ich es angehe, dann gleich richtig. Da wird eben nicht nur fix durchgeschaut, was wegkann, sondern da werden Räume auf den Kopf gestellt, Schubladen auf links gedreht und alles ordentlich ausgewischt.

So auch am dritten Tag, als ich alle Lebensmittelschränke aus- und wieder einräume. Die nie verwendeten Backzutaten sowie andere abgelaufene Produkte sehen nach dieser Aktion den Schrank nie mehr von innen. Adieu! Ich dachte, wir hätten noch Zeit, die Schokoglasur über den nie gebackenen Kuchen zu geben.

Bücher ausmisten
Diesen und noch einen Stapel habe ich aussortiert

Dass ich am vierten Tag tatsächlich zwei Beutel voll Bücher einsammle, die ich nicht mehr brauche, hätte ich gar nicht für möglich gehalten. Meine gern gelesenen GEO-Magazine dürfen aber bleiben.

Das Zuviel an Stiften auszusortieren, die teilweise nicht mehr funktionieren, hatte ich schon länger vorgehabt, aber schnell war es auch wieder verdrängt. Am fünften Tag jedoch gibt es keine Ausrede – die Stifte, die ihren Dienst eingestellt haben, kommen weg.

Woche 2

In der zweiten Woche probiere ich gemäß Kapitel 5 im Minimalismus-Projekt jeden Tag eine Methode zum Entrümpeln aus.

1. Ein großer Einkaufskorb, mein Chaos-Schrank und ich

Ich könnte jetzt mit dem Korb durch die Wohnung geistern und einsacken, was wegkann. Stattdessen stelle ich den Korb vor einem der gefürchteten Schränke auf, öffne die Türen und packe das Monster darin am Kragen, schleife es aus seinem wohligen Versteck heraus und stopfe es mit viel Willenskraft in den Korb zum Abtransportieren. Dieser Unhold wäre schon mal besiegt. Ein gutes Gefühl!

2. Tabula rasa

Die Idee hinter der Tabula-rasa-Methode finde ich interessant. Ich möchte herausfinden, ob ich sie auf die Problemzone CD- und DVD-Sammlung anwenden kann. Der letzte Versuch, sie auszumisten, scheiterte. Denn wenn ich jede CD/DVD erst durch die Hand gehen lasse, bleiben sie am Ende alle. Aber es sind insgesamt zu viele!

Da am Tag vorher ein wunderbarer Korb im Schrank freigeworden ist (da, wo das Monster sein Nest hatte), nutze ich diesen und packe alle CDs und DVDs für ein Jahr dort hinein.

Leider reicht ein Korb nicht aus, um die komplette Sammlung unterzubringen. Ich weiß aber, dass im zweiten Monster-Schrank noch ein Korb steht. Also tief einatmen, die Hände an die Griffe und öffnen. Dann stürze ich mich auch auf dieses Monster, packe alles, was ich kriegen kann, und zerre es ans Tageslicht. Und was entdecke ich da? Ein noch im Karton verpacktes nigelnagelneues Asia-Geschirr-Set! Keine Ahnung, woher wir das haben. Ein nie genutztes vergessenes Geschenk vielleicht? Nun, wir haben einen Abnehmer dafür gefunden.

Zurück zu den CDs/DVDs: Was wir in den nächsten 365 Tagen hören oder sehen, kommt zurück in das Regal. Der Rest soll dann für ein weiteres Jahr in den Keller und was wir dann nicht vermisst haben werden, könnte meiner Theorie nach weg. Mal sehen, ob wir das schaffen.

3. Was hat ausgedient?

Angelehnt an die KonMari-Methode geht es diesmal den Aufbewahrungsbehältern an den Kragen. Auch da gibt es einige, die wir seit Jahren nicht benutzt haben. Jeden einzelnen lasse ich durch die Hand gehen und versuche mir vorzustellen, was ich darin unterbringen könnte. Wenn mein Kopf leer bleibt wie der Behälter, hat er ausgedient und muss gehen (der Behälter, nicht mein Kopf 😉).

Zurück in den Schrank kehren nur die im Geiste befüllten. Da wäre die Blechdose für Weihnachtsgebäck, die große verschließbare Schüssel für Leckereien zum Picknick, eine Glasschüssel für Salate und die verschieden großen Behälter, um Lebensmittel zu lagern beziehungsweise zu transportieren.

4. Jeden Tag verlässt mich ein Stück mehr

… oder auch nicht. Von der Methode, täglich ein Stück mehr loszulassen, habe ich schon öfters gelesen, aber immer gedacht, das sei nichts für mich. Ich habe anscheinend ein Problem, mich zu entscheiden und stehe wieder bei meiner Anfangsfrage: Wo soll ich bloß beginnen? Irgendwo? In einem Zimmer? In einem Regal? In einer Schublade? Und jeden Tag frage ich mich das erneut. Ich wühle in einem Karton voll Erinnerungen ein paar Zettel, Briefe und Karten hervor, an denen ich nicht hänge und schicke sie in den Müll. Ist das ein Stück oder mehrere? … Na ja, zu viel Verwirrung im Kopf. Am nächsten Tag habe ich schon keine Lust mehr.

5. Ich mache eine Diät

Die mache ich seit Monaten – also die Konsumdiät. Ich kaufe nichts, was nicht sein muss. Im Moment kommen nur frische Lebensmittel ins Haus sowie Hygiene- und Pflegeprodukte, die aufgebraucht sind. Mehr brauche ich im Moment nicht.

Mein Fazit

Altlasten der Vergangenheit
Die Vergangenheit loszulassen reinigt die Seele

Nun, da ich verschiedene Methoden zum Ausmisten kennengelernt habe, weiß ich, was für mich am besten funktioniert und was überhaupt nicht. Ich brauche Koordination. Das heißt, ich muss vorher wissen, auf welchen Bereich ich mich stürzen werde. Deshalb macht mich Methode 4 in der zweiten Woche eher verrückt, als dass sie mich weiterbringt.

Am zufriedenstellendsten war für mich das Entrümpeln nach Kategorien wie in der ersten Woche beziehungsweise in Methode 3 der zweiten Woche. Dabei habe ich das Gefühl, ich komme am besten vorwärts.

Und da ich noch einige Kategorien offen habe, werde ich mir diese nach und nach vornehmen. So zum Beispiel das (Aus-)Sortieren der Dokumente und Papiere. Das ist auch etwas, das ich vor mir herschiebe. Doch dazu gibt es ebenfalls im Minimalismus-Projekt ein hilfreiches Kapitel.

Mein Tipp zum Schluss (falls du ebenfalls deine Monster loswerden willst): Fang in einem Zimmer an und arbeite dich durch jeden Bereich, der dir Unbehagen bereitet. Wenn du dabei auf eine Kategorie stößt, die in mehreren Räumen untergebracht ist (z. B. Bücher, Stifte, Dekoartikel), trage alles davon zusammen und schau, was du nicht mehr brauchst. Behalte nur das, was dich glücklich macht, du gerne verwendest oder du nachkaufen würdest. Mit täglich nur fünfzehn Minuten kannst du in zwei Wochen schon einigen Ballast loswerden.

Welche Methode nutzt du selbst zum Ausmisten und Entrümpeln? Und mit welcher kommst du gar nicht zurecht? Ich freue mich auf einen Kommentar von dir!

Ansonsten habe ich auf meinem Blog bisher zwei Beiträge zum Thema Aufräumen veröffentlicht. Wenn du also noch einen kleinen Schubs zum Anspornen brauchst, lies hier weiter:


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Titelbild von Pexels auf Pixabay

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