Wenn die Erwartungen deiner Eltern dich belasten

Erwartungen der Eltern belasten

Die Beziehung zu den Eltern kann anstrengend sein, wenn wir ihre Erwartungen nicht erfüllen. Dabei sind wir überhaupt nicht dazu verpflichtet, unsere Zukunft in ihre Hände zu legen. Sobald wir erwachsen sind, steht es uns frei, unserem eigenen Weg zu folgen. Doch was tun, wenn die Eltern uns belasten, weil sie uns zu verstehen geben, wie enttäuscht sie mit unseren Entscheidungen sind?

„Wilma, du wirst einmal meine Praxis übernehmen!“

„Ich interessiere mich aber mehr für Süßigkeiten.“

„Unsinn! Du verschwendest deine Zeit damit. Deine Zukunft liegt in der Behandlung von zuckergeschädigten Zähnen.“

„NEIN, ich werde Chocolatier!“

Die Mutter verlacht den Traum ihrer Tochter. Von ihr ist keine Unterstützung in dieser Richtung zu erwarten. Somit beschließt Wilma schweren Herzens ihren Weg ohne sie fortzusetzen. Sie verlässt die Heimat und bereitet anderswo die Verwirklichung ihres großen Traumes vor. Die seltenen Telefonate mit der enttäuschten Mutter rauben ihr so viel Energie, dass Wilma sich danach tagelang schlecht fühlt. Also bricht sie den Kontakt ganz ab. Aber auch das fühlt sich nicht gut an. Hin und hergerissen zwischen Nähe und Abgrenzung absolviert sie ihre Ausbildung zur Konditorin, sammelt Erfahrungen und eröffnet schließlich ihre eigene Chocolaterie. Jeder beglückwünscht sie dafür, bis auf eine – ihre Mutter.

Was wünschen wir uns mehr von unseren Eltern, als bedingungslos anerkannt zu werden? Es lastet wie ein schwerer Stein auf unserer Seele, wenn wir mit ihrer Enttäuschung konfrontiert werden. Es raubt Kraft, Energie und meist auch das Selbstwertgefühl. Manche von uns werden dadurch so blockiert, dass sie gar nichts zustande bringen. Zu niemandem ist die emotionale Bindung schließlich so eng wie zu den Menschen, die uns das Leben geschenkt haben. Wir wollen ihnen gefallen, sie stolz machen, doch wir wollen auch uns selbst treu bleiben. Was also tun, wenn die Erwartungen der Eltern zur Belastung werden?

Im eigenen Glauben erschüttert

Im Kindesalter versuchen wir den Wünschen der Eltern zu entsprechen, weil wir nach ihrer Zuneigung suchen. Wir mühen uns ab, ihnen ein Lächeln zu entlocken, sie zum Strahlen zu bringen. Spätestens in der Pubertät beginnt die Phase der Rebellion, um eigene Interessen durchzusetzen. Werden diese jedoch durch die Eltern abgewertet, nicht ernst oder gar nicht erst wahrgenommen, baut sich viel Frust im jungen Menschen auf. Das Selbstwertgefühl geht in die Brüche. Der Glaube, etwas schaffen zu können, wird erschüttert, wenn uns von Anfang an verwehrt bleibt, unseren Neigungen nachzugehen.

Manche Eltern malen sich einen Lebensweg aus, den ihre Kinder einmal gehen sollen. Wilma soll die Zahnarztpraxis der Mutter übernehmen. Sie aber hat keine Lust auf ein Studium der Zahnmedizin und macht lieber eine Ausbildung zur Konditorin. Natürlich ist die Mutter enttäuscht. Andersherum ist die Tochter genauso enttäuscht, weil ihre vertrauteste Bezugsperson ihre Wünsche nicht respektiert.

Es kostet unheimlich viel Einsatz und Selbstvertrauen, sich gegen die eigenen Eltern zu stellen. Wenn davon nicht viel vorhanden ist, stehen die Chancen gut, den Kampf zu verlieren und in ein fremdbestimmtes Leben abzurutschen.

Hätte Wilma dem Wunsch der Mutter nachgegeben, hätten ihre Träume nicht einfach aufgehört. Die Chocolaterie bliebe ihre heimliche Sehnsucht. Und immer würde sie sich fragen: Hätte ich es schaffen können?

Lerne dich abzugrenzen!

Hegst du selbst einen Traum in dir, wirst du wissen, wie hartnäckig er sein kann. Der Versuch, ihn loszuwerden oder zu unterdrücken, geht meist schief. Er spukt weiter in uns herum, bis wir ihm die Aufmerksamkeit geben, die er verlangt.

Wenn wir uns schon als Kinder nie ausprobieren durften, wenn alles, was uns neugierig machte, sogleich abgewertet wurde, dann haben wir auch nie erfahren, dass wir etwas aus eigener Kraft bewirken können. Selbstzweifel verschlingen wie gierige Monster unsere Träume. Es fällt uns dann schwer, daran zu glauben, dass wir überhaupt die Fähigkeit dazu besitzen, uns zu verwirklichen. Aber wenn die (inneren) Eltern die eigenen Herzenswünsche zertrampeln wie lästiges Ungeziefer, gilt es die Notbremse zu ziehen!

Also folge deinem Herzen, egal, ob deine Eltern ihre Nasen darüber rümpfen. Es ist dein Leben! Und einer hohen Wahrscheinlichkeit nach hat jeder nur dieses eine.

Du brauchst einen Pakt, den du mit dir schließt, wenn du nicht mehr willst, dass deine Eltern deine Wünsche überschatten. Und dieser Pakt lautet: Geh deinen Weg, aber lass deine Eltern nicht mehr daran teilhaben.

Das heißt nicht, dass du den Kontakt abbrechen sollst! Das wäre die allerletzte Lösung, falls die Erwartungen deiner Eltern dich zu stark belasten. Viel mehr gilt: Lass in Gesprächen all die Themen weg, auf die deine Familie schlecht reagiert. Es ist zwar schade, wenn man seine Freuden nicht mit den Menschen teilen kann, die einem nahestehen. Aber so schützt du deinen zerbrechlichen Traum vor ihren Trampelfüßen und kannst dich abgrenzen.

Erwarte nichts!

Kein Traum ist sicher vorm Scheitern. Aber falls etwas schiefgeht, musst du dich wenigstens nie mehr fragen, ob du es geschafft hättest. Und da du den ohnehin von dir enttäuschten Eltern von deinen Plänen nichts erzählt hast, können sie dir auch kein selbstgerechtes „Wir haben es dir doch gleich gesagt!“ an den Kopf ballern.

Für den Fall, dass du Erfolg mit deinem Traumprojekt hast, kannst du – zumal deine Eltern noch leben – dein „süßes Geheimnis“ immer noch lüften. Aber erwarte keine Begeisterungsstürme.

Eine Chocolaterie gegen eine Zahnarztpraxis wird in ihren Augen einfach nicht gut abschneiden.

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Welche Erfahrungen hast du mit den Erwartungen deiner Eltern gemacht? Haben sie dich auf deinem Lebensweg bestärkt oder eher unterdrückt? Wie bist du damit zurechtgekommen? Vielleicht kannst du deinen persönlichen Tipp mit uns teilen?


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Bild von Jerzy Górecki auf Pixabay

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