Mach’s besser: Iss weniger Tiere! (Teil 3)

Weniger Tiere essen

Moriz, ein verantwortungsbewusster Mann, kaufte seine Getränke nur noch in Mehrweg-Glasflaschen und das Obst, das Gemüse sowie die Getreideprodukte ausschließlich in guter Bioqualität. Er fühlte sich seitdem so wohl wie noch nie. Um seinem neuen Lebensgefühl Ausdruck zu verleihen, veranlasste er einen Grillabend mit seinen Kumpels. Die Stimmung war gut und das Essen reichlich. Pappsatt fiel er in dieser Nacht in einen unruhigen Schlaf. Ein höllischer Schmerz am rechten Ohr riss ihm jedoch die Augen auf. Der Schmerz war allerdings nichts im Vergleich zu dem Schreck, den er erfuhr, als er einen Mann mit dämonischem Blick an einem menschlichen Ohr herumkauen sah. Es dauerte eine Sekunde, ehe er realisierte, dass es sein eigenes Ohr war. Der verrückte Mistkerl muss es ihm abgerissen haben! Doch dieser war nicht der einzige, der ihn gierig oder verstört ansah. Moriz war umgeben von mindestens 20 Männern, die teilweise durch offene Wunden schlimm entstellt waren. Es war furchtbar eng hier in diesem nach Fäkalien, Urin, Schweiß und wer weiß was noch stinkenden, verdreckten, künstlich beleuchteten Raum. Als Moriz sich erhob, tat ihm die Seite weh, auf der er gelegen hatte. Seine Haut war gezeichnet von den Abdrücken des Gitterbodens, auf dem er nun mit seinen nackten Füßen stand. Wer ahnt, wo Moriz hier in diesem Albtraum gelandet ist?

Stell dir mal vor, Außerirdische würden dich und viele Millionen andere Menschen von der Erde picken und in enge Unterbringungen sperren, wie in Moriz‘ Albtraum. Was würdest du dir von diesen Außerirdischen wünschen? – Mehr Platz? Mehr Sauberkeit? Mehr Komfort? Beschäftigung? Oder besser: Freiheit? Nun, das hängt davon ab, wie viele Aliens Menschen auf ihrem täglichen Speiseplan stehen haben.

Das, was wir eben in unserer Fantasie durchlebt haben, ist für viele Milliarden Tiere grausame Realität. Und alles nur, weil wir so eine ausgeprägte Gier nach Fleisch haben.

Tierische Lebensmittel – Wie sie Tier, Umwelt und dem Menschen schaden

Der letzte Teil der „Machs-besser“-Serie soll sich hiermit um einen bewussteren Umgang mit tierischen Lebensmitteln drehen.

Wer kennt sie nicht, die Schreckensbilder aus der Massentierhaltung? Brutaler entwürdigen kann ein Mensch die Natur nicht. Und er macht es trotzdem. Die Folgen für die Tiere sind schreckliches seelisches Leid, körperliche Qualen, ein gestörtes Sozialverhalten und schlimme Krankheiten, die wiederum mit einer hohen Gabe von Antibiotika verbunden sind.

Doch nicht nur die betroffenen Lebewesen leiden. Durch die Massenzucht wird viel Raum für die Haltung und das Futter benötigt, wodurch die Lebensräume wildlebender Arten zurückgedrängt werden; zum Beispiel durch die Abholzung der Regenwälder. Das führt zum Aussterben vieler verschiedener Tierarten in der Wildnis. Aber nicht nur das: Auch trägt die Rodung zur Klimaerwärmung bei, da die Wälder viel CO2 binden, das, wenn sie fehlen, in der Atmosphäre verweilt und so den Treibhauseffekt beschleunigt.

Und der Mensch selbst kommt auch nicht unbeschadet aus der Nummer heraus. Denn bereits die hohe Menge an Antibiotika, die den Tieren der Fleischproduktion verabreicht wird, sorgt für antibiotikaresistente Keime. Dadurch verliert das Medikament für uns die Wirkung, wenn wir gegen eine bakterielle Infektion ankämpfen. Und durch die eben erwähnte Klimaerwärmung wird es immer öfter zu starken Hitzeperioden kommen, die eine hohe Belastung für unsere Gesundheit darstellen. Zudem führen sie zu häufigeren Ernteausfällen, die wiederum unsere Versorgung mit Lebensmitteln gefährdet. Was die Monokulturen (in diesem Fall für den Futteranbau) anrichten, habe ich dir bereits im letzten Teil erzählt.

Wenn du es satthast, wie die Tiere und die Natur von uns Menschen behandelt werden, kannst du mit deinem Verhalten einiges bewirken. Überlege, was du bereit bist zu tun, um einen Beitrag zur Verbesserung zu leisten. Das Ampelprinzip hilft dir dabei:

TU’S NICHT!

SCHON BESSER!

SEHR GUT!

Billigfleisch aus dem Supermarkt ist die schlechteste Wahl

Im Supermarkt oder Discounter geht es nicht um das Tierwohl, sondern um den Profit. Fleisch ist dort Massenware und Massenware kommt aus der Massentierhaltung. Nicht nur dass die Tiere dort unter grausamen Bedingungen leben müssen. Sie sterben auch unter qualvoller Todesangst. Zum Teil wirken die Betäubungsmaßnahmen nicht einmal, wodurch vereinzelte Tiere bei vollem Bewusstsein ausbluten.

Aber auch beim Metzger gibt es keine Garantie dafür, dass das Fleisch nicht aus der Massenaufzucht stammt. Was also tun, wenn man die konventionelle Fleischproduktion nicht mehr unterstützen möchte?

Ein einfacher erster Schritt wäre, die Fleischration ein wenig zu senken. Anstatt täglich Wurst und/ oder andere Fleischwaren auf den Tisch zu bringen, wäre es ein Anfang, nur noch maximal dreimal die Woche Fleischiges zu verzehren. Das sollte schon aus gesundheitlichen Gründen nicht überschritten werden. Denn ein übermäßiger Fleischkonsum lässt den Cholesterinspiegel ansteigen, kann zu Herzkreislauferkrankungen, Gicht oder Osteoporose führen.

Zurück zu Moriz‘ Geschichte: Er beobachtet, dass der Albtraum immer dann wiederkehrt, wenn er tagsüber Fleisch gegessen hat. Diese intensiven Träume machen ihn so fertig, dass er Fleisch nicht mehr fünf bis sieben Tage die Woche isst, sondern nur noch höchstens dreimal darauf zurückgreift, denn ganz verzichten kann der gute Moriz nicht.

Freiland- und Biohaltung machen den Unterschied

Wenn ich dir noch einmal die Frage vom Anfang stellen darf: Was würdest du dir von den menschenfressenden Außerirdischen wünschen, wenn sie dich für ihre gierigen Zwecke in ihrer Gefangenschaft halten würden? Eine Haltung wie sie unsere konventionellen Masttiere auf Erden erleben, doch sicherlich nicht.

Es macht einen bedeutenden Unterschied, ob du eingezwängt mit vielen anderen in engen Unterbringungen haust, wo du deine Mahlzeiten auf dem fensterlosen Gemeinschaftsklo einnimmst und ebendort lebst und schläfst, oder ob du mit deinen Artgenossen einen Garten teilst, in dem du dich jederzeit frei bewegen, die Sonne genießen und dir den frischen Wind um die Nase wehen lassen kannst, die Toilette getrennt von Küche, Schlaf- und Wohnraum ist und du Möglichkeiten zur Körperpflege, zur Beschäftigung sowie zum Rückzug hast. Und genau diesen Unterschied macht es für die Tiere, die du isst.

In der Freiland- oder Biohaltung leben die Tiere artgerechter. Und das schmeckt man auch. Die Qualität des Fleisches ist viel besser, wenn das Tier sich an der frischen Luft bewegt und sich auf natürliche Weise ernährt hat. Diese Haltungsart schlägt sich zwar im Preis nieder, doch das sollte einem das Tierwohl und die eigene Gesundheit wert sein.

Dennoch bist du gut beraten, wenn du dir einen Hof des Vertrauens in deiner Nähe suchst, den du dir auch einmal genauer anschauen kannst, um sicherzustellen, dass es den Tieren dort wirklich gut geht. Denn leider gibt es auch hier schwarze Schafe.

Da Moriz pro Woche nur noch ein bis dreimal Fleisch isst, leistet er sich auch eine bessere Qualität. Ob Steak, Milch, Eier oder Käse, er achtet bei allen tierischen Produkten darauf, dass sie aus der biologischen Freilandhaltung stammen. Dadurch genießt er diese Lebensmittel nun bewusster, weil sie ihm nicht mehr selbstverständlich vorkommen.

Gar kein Fleisch ist die beste Alternative

Fleisch zu essen bedeutet immer Leid für das Tier, egal ob konventionell oder biologisch erzeugt. Denn um den Prozess der Schlachtung kommt keines drumherum. Zwar sind die Anfahrtswege zur Schlachterei für Bio-Nutztiere geringer, aber der Stress, den diese Lebewesen erleben bleibt derselbe.

Wer also mit dem Gedanken spielt, vollkommen auf Fleisch oder sogar auf alle tierischen Lebensmittel zu verzichten, sollte sich Schritt für Schritt an die neuen Ernährungsgewohnheiten vortasten, um eventuelle Verdauungsbeschwerden zu vermeiden, die entstehen könnten, wenn der Umstieg zu rasant ist. Denn wenn sich die fleischlose Ernährungsform unangenehm im Körper anfühlt, ist es unmöglich sie durchzuhalten.

Natürlich ist es eine große Umstellung vollkommen auf Fleisch bzw. tierische Lebensmittel zu verzichten. Doch dem Tier, der Umwelt und nicht zuletzt uns selbst kommt es zugute. Letztendlich muss aber jeder für sich entscheiden, wie weit er dieser Art Lebensmittel entsagen will. Damit die vegetarische oder vegane Ernährung jedoch nicht zu Mangelerscheinungen führt, solltest du dich zuvor gut darüber informieren (es lohnt sich dafür ein Klick auf die beiden Links). Wenn du die jeweiligen Regeln hinsichtlich der Nährstoffzufuhr beachtest, ist die fleischlose Ernährung eine der gesündesten und moralisch besten Ernährungsformen.

Moriz‘ Träume haben sich im Gegensatz zum Anfang stark verändert, seit er sich das Fleisch von einem guten Bio-Bauern aus der Region kauft: Er kann sich im Garten vertun, sich mit seinen Artgenossen beschäftigen, sich aber auch zurückziehen, wenn er mal Ruhe braucht und vor allem ist es sauber. Dennoch endet der Traum immer mit der Angst, als ihm bewusst wird, dass sein Leben plötzlich ausgelöscht werden soll. Inzwischen isst er nicht mehr als einmal die Woche Fleisch. Doch wer weiß, vielleicht verzichtet Moriz bald komplett darauf und damit auf die Gewissheit, dass für seinen Appetit ein Lebewesen sein Leben geben musste.

Fazit

Immer alles 100 Prozent moralisch richtig zu machen ist ein Anspruch, dem kein Mensch gerecht werden kann. Aber jeder kann es schaffen, in seinen Möglichkeiten etwas besser zu machen. Wie viel besser, entscheidest du selbst. Es ist bereits ein großer Fortschritt sein Konsumverhalten vom roten in den gelben Bereich zu verschieben.

Im Durchschnitt verbraucht ein Deutscher jedes Jahr rund 60 Kilogramm Fleisch, inklusive Wurst und Schinken. Das entspricht etwas mehr als einem Kilogramm pro Woche. Dabei wird allgemein für die Gesundheit geraten nicht mehr als 300-600 Gramm Fleisch pro Woche zu verzehren. Das ist gut machbar, wenn du deinen Fleischkonsum auf 1 bis 3 Tage beschränkst. Das macht einen riesigen Unterschied für dein eigenes Wohl aber auch für die Haltungsbedingungen der Tiere. Denn wenn du deine Fleischration halbierst, wirst du in der Lage sein, dir Fleisch von besserer Qualität leisten zu können (Freiland, Bio).

Und wir wissen ja: Wer zum Wohle anderer beiträgt, fühlt sich selbst glücklicher.

Ich hoffe, ich konnte dich mit dieser dreiteiligen Serie dazu inspirieren, bewusster zu konsumieren. Hier findest du noch einmal die anderen beiden Teile:

In welchem Bereich hältst du dich auf (rot, gelb oder grün)? Schreib es mir gerne in die Kommentare.

Bild von Mabel Amber auf Pixabay

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